Prävention im mittleren Lebensalter und ländlichen Raum – COLIBRI-Studie startet

Die Interviewstudie „COLIBRI – Konzepte des Guten Lebens im ländlichen Brandenburg und deren Implikationen für Gesundheitsforschung“ fragt, wie sich Personen im Alter zwischen 45 und 59 Jahren ein gutes Leben in Hinblick auf Gesundheit, Ernährung und Bewegung vorstellen.
Im Potentialbereich Bewegung, Ernährung, Gesundheit der Fakultät für Gesundheitswissenschaften Brandenburg (FGW) startet die COLIBRI-Studie – eine qualitative Interviewstudie mit dem Ziel, Präventionsansätze und den Einsatz technologischer Hilfsmittel im mittleren Lebensalter und dem ländlichen Raum zu unterstützen.
Die Interviewstudie „COLIBRI – Konzepte des Guten Lebens im ländlichen Brandenburg und deren Implikationen für Gesundheitsforschung“ fragt, wie sich Personen im Alter zwischen 45 und 59 Jahren ein gutes Leben in Hinblick auf Gesundheit, Ernährung und Bewegung vorstellen und ob sie für dessen Umsetzung digitale Technologien nutzen.
Der Projektleiter der Studie Prof. Notger Müller, Inhaber des Lehrstuhls für Degenerative und Chronische Erkrankungen, Bewegung an der FGW, sieht hier eine wichtige Forschungslücke. „Die Vorstellung darüber, was unter einem guten Leben zu verstehen ist, bestimmt maßgeblich das Gesundheitsverhalten einer Person in ihrem konkreten Lebensumfeld. Es sollte daher besser verstanden werden, da sonst wissenschaftlich fundierte Empfehlungen zu Lebensstilveränderungen auf keinen fruchtbaren Boden treffen.“
Zusätzlich möchte die Studie beleuchten, welche räumlichen und strukturellen Bedingungen Personen im ländlichen Brandenburg dafür nutzen und welche fehlen. „Gerade die räumlichen Bedingungen werden häufig vergessen, wenn man Menschen Vorschläge zu gesünderem Verhalten gibt.“, merkte Dr. Joschka Haltaufderheide, der die methodische Leitung der Colibri-Studie übernimmt. „Man möchte gern aktiver sein, aber der lokale Sportverein hat sich aufgelöst oder die Schwimmhalle im nächsten Ort wurde aus finanziellen Gründen geschlossen. Der Fitness-Tracker weiß so etwas natürlich nicht.“
Bedeutung für Gesundheitsforschung und digitale Technologien
In Rahmen qualitativer Einzel- und Gruppeninterviews werden Studienteilnehmende nach ihren Vorstellungen eines guten Lebens gefragt, was sie für ihre Gesundheit, Bewegung und Ernährung tun und brauchen, und wie sie dabei digitale Technologien nutzen. Die Fragen orientieren sich dabei explorativ an Konzepten von subjektiver Lebensqualität und sollen Grundlagen für eine partizipative Technikgestaltung liefern.
Der Co-Projektleiter Prof. Robert Ranisch, Inhaber der Juniorprofessur für Medizinische Ethik mit Schwerpunkt auf Digitalisierung an der FGW, hat mehrere partizipative Forschungsprojekte geleitet. „Wenn man eine medizinische Maßnahme oder Technologie ethisch bewerten möchte, sollte man immer die Menschen involvieren, die es betrifft. Partizipative Forschung kann dazu beitragen, dass Technologien, wie zum Beispiel Gesundheits-Apps, bedarfsorientierter gestaltet werden.“
Inge Fiedler übernimmt die Durchführung des Projekts und der Interviewstudie und erklärt: „Wir möchten dazu beitragen, dass digitale Gesundheitstechnologien Menschen dort unterstützen, wo es ihnen hilft ihre eigenen Vorstellungen eines guten Lebens zu verwirklichen.“ Die Ergebnisse der Studie könnten für Präventionsstrategien im ländlichen Raum und nutzerorientierte Gesundheitsangebote genutzt werden.
Probandenakquise und Veranstaltungsreihe
Um Studienteilnehmende aus dem ländlichen Brandenburg zu gewinnen, nutzt das interdisziplinäre Team um Prof. Müller einen neuen Ansatz der Probandenakquise. Sie planen eine Veranstaltungsreihe mit Beiträgen von Forschenden aus der FGW an Standorten außerhalb der Ballungsräume. Dabei sollen verschiedene Formate der Interaktion mit den Forschenden angeboten werden, um einen Gesprächsraum über Gesundheitsthemen und das Ziel der Studie zu eröffnen.
Teilnehmende der Veranstaltungen erhalten so aktuelle Erkenntnisse aus den Gesundheitswissenschaften und können bereits während der Veranstaltung ihre Vorstellungen eines guten Lebens einbringen. Das Projektteam erhält für die Umsetzung der Veranstaltungsreihe Unterstützung durch die Präsenzstellen der Hochschulen des Landes Brandenburg. Die Präsenzstellen haben mehrere Standorte in Brandenburg und Erfahrung mit verschiedenen Formaten der Wissenschaftskommunikation.
Erste Eindrücke beim Start der Veranstaltungsreihe in Prenzlau in der Uckermark
Den Auftakt der Veranstaltungsreihe machte Prof. Müller am 03. Dezember 2025 mit dem Thema Bewegung in Prenzlau. In seinem Vortrag „Tanzen für die grauen Zellen“ beschrieb er den positiven Effekt von komplexen Bewegungen auf die Gehirnplastizität. In Prenzlau kam Prof. Müller mit den Teilnehmenden ins Gespräch.
Es kamen viele Nachfragen dazu, welche Art der Bewegung dem Gehirn besonders gut hilft. Einige der Teilnehmenden waren seit mehreren Jahren selbst in Tanzgruppen aktiv und wunderten sich entsprechend, dass die Krankenkasse die Kosten nicht erstatten würde. Eine Teilnehmende merkte an, was für sie die Bewegung in der Uckermark fördert. „Zum Glück haben wir hier die Seen! Einfach reinspringen und schwimmen gehen, das tut mir besonders gut.“
Diese Reaktionen aus Prenzlau verdeutlichen, dass Vorstellungen eines guten Lebens und konkrete Rahmenbedingungen vor Ort, wie verfügbare Bewegungsangebote oder Kostenerstattungen, eng miteinander verknüpft sind und das Gesundheitsverhalten maßgeblich prägen können. Diese Verknüpfung soll in den kommenden Interviews systematisch untersucht werden.




Bürgervorlesung im Dezember 2025 in Prenzlau (Fotos: Florian Reischauer)
Weitere Informationen zur COLIBRI-Studie
Die nächste Veranstaltung ist für März 2026 zum Thema Ernährung an einem Standort in der Niederlausitz geplant. Die Interviewstudie „COLIBRI – Konzepte des Guten Lebens im ländlichen Brandenburg und deren Implikationen für Gesundheitsforschung“ wird gefördert durch den Potentialbereich Bewegung, Ernährung, Gesundheit der Fakultät für Gesundheitswissenschaften Brandenburg und hat eine Laufzeit bis Mitte 2027.
Informationen für Studieninteressierte finden Sie unter: https://www.fgw-brandenburg.de/forschung/projekte/potentialbereich-bewegung-ernaehrung-gesundheit/colibri/
Kontakt für Rückfragen zur COLIBRI-Studie
Inge Fiedler
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Juniorprofessur für Medizinische Ethik mit Schwerpunkt auf Digitalisierung
Fakultät für Gesundheitswissenschaften Brandenburg
Am Mühlenberg 9
Haus 62 (H-Lab) Büro 2.14
14476 Potsdam
Tel. Büro: +49 331 977 256043
E-Mail: inge.fiedler[at]uni-potsdam.de
Titelfoto: Florian Reischauer
